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Der Hilferuf kam an: Mit einem eindringlichen Appell hat sich das Betreuerteam für Asylbewerber in Ebenhausen an Domkapitular Clemens Bieber aus Würzburg, den Vorsitzenden des Diözesan-Caritasverbandes gewandt. „Unser Einsatz macht uns viel Freude. Aber wir brauchen dringend professionelle Unterstützung. Was wir Ehrenamtliche leisten, können wir allein nicht auf Dauer stemmen“, sagte Ludwig Sauer, der Sprecher der Initiative. Bei einem Arbeitstreffen sicherte Bieber nun zu, dass ab April Frau Unser, Fachkraft des Caritas-Verbandes Bad Kissingen, vor Ort mit Rat und Tat zur Seite stehen werde.

Seit vier Monaten betreut ein Team von rund 20 Mitarbeitern in Ebenhausen 53 Asylbewerber. Dabei handelt es sich um 12 Familien aus Syrien und den Balkanstaaten, darunter sind 28 Kinder und Jugendliche. „Der zeitliche und fachliche Aufwand der Betreuung übersteigt alles, was wir erwartet haben“, so Sauer in Anwesenheit Biebers und weiterer Mitarbeiter der Caritas-Verbände. Bürgermeister Siegfried Erhard brach eine Lanze für das Team. „Wir sind stolz auf das, was wir bislang zusammen erreicht haben. Aber wir kommen an unsere Grenzen“, wandte er sich direkt an den Domkapitular.

Zwei Stunden Zeit nahmen sich Bieber sowie Frau Hartmann, Flüchtlingsberatung und Herr Schäfner, stellv. Geschäftsführer des Kreiscaritasverbandes für die ehrenamtlichen Betreuer, die ihre Anliegen sachlich, aber an klare Forderungen geknüpft, vortrugen. Bieber lobte das hohe Maß an Solidarität der Initiative mit den Asylbewerbern. „Dieser Einsatz darf nicht im Frust enden“, mahnte der Domkapitular im Beisein des Leitenden Regierungsdirektors von Unterfranken, Thomas Weingart, in dessen Zuständigkeitsbereich die Flüchtlingsbetreuung und Integration fällt. „Die Initiative braucht jetzt schnell wirksame Hilfe.“

Weingart selbst räumte ein, dass die Flüchtlingssituation in Unterfranken so, wie sie sich entwickelt habe, vor drei Jahren noch nicht vorstellbar gewesen sei. „Das ist eine Herausforderung an die gesamte Gesellschaft.“ An den Regierungsvertreter richteten die Ehrenamtlichen vor allem Forderungen wie die einer Check-Liste mit wichtigen Aufgaben und Ansprechpartnern, einer mehrsprachigen Hausordnung in den Gemeinschaftsunterkünften sowie eines zügigen Ersatzes für den derzeit erkrankten Hausmeister. Auch die Frage nach der Deckung ihrer durch zahlreiche Behördengänge entstandenen Fahrtkosten war Thema des Treffens im Ebenhausener Sportheim.

Weit weg ist näher, als du denkst – das Jahresmotto 2014 der Caritas und ihre Kampagnen für weltweite Solidarität, ist für die Ebenhausener Initiative auf ganz eigene Weise spürbar geworden. „Viele Flüchtlinge haben Schreckliches erlebt, manche Frauen sind allein mit ihren Kindern hier, weil ihre Männer immer noch im Kriegsgebiet sind. Für diese Frauen ist das eine ganz schlimme Situation, und sie tun uns unsagbar leid“, bekräftigte eine Betreuerin. Man sei gerne bereit, auf jede denkbare Weise zu helfen, aber vor allem unzählige Formulare sowie sprachliche Barrieren lösten immer wieder Frustration und ein Gefühl von Überforderung auf beiden Seiten aus.

Der Kreisverband der Caritas in Bad Kissingen unterstützt die Arbeit von Flüchtlingsinitiativen im Landkreis bislang durch Frau Hartmann, Frau Morath und Frau Unser als fachkundige Mitarbeiterinnen, von denen sich Frau Unser nun auch der Situation in Ebenhausen annehmen soll. Bieber verhehlte nicht, dass es im Bereich der Flüchtlings- und Asylproblematik zu wenige hauptamtliche Berater gebe und zudem Gelder fehlten. Hier sei in erster Linie das Bayerische Sozialministerium in der Pflicht. „Die Kirche kann zusätzlich Unterstützung leisten, aber unsere finanziellen Mittel sind begrenzt.“ Die Diözese werde dennoch ihre moralische Verantwortung wahrnehmen, versprach Bieber. „In der Solidarität mit Hilfesuchenden zeigt sich der wahre Wert einer Gesellschaft“, sagte der Domkapitular.

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